Der Abschluss, den es nicht geben kann, wäre ein gemeinsamer, liebevoller Rundgang ohne Auslassung; vollständige Durchsicht der Sache, Aufhebung der Sache. Ende. Wahrheit.
keine reise
Juli 26, 2009Auf den Koffern sitzen. Eingestürzter Kopf. Nicht wissen, was ich eingepackt habe, ob ich fort wollte und wohin. Vielleicht wohne ich auf diesen Koffern. Vielleicht sind dies keine Koffer.
riding the elephant
Mai 21, 2009A friend of mine once told me that in relation to the deeper forces of his existence he could not but think of himself as a rider on an elephant. He felt he had no chance to prevent the elephant from doing something if that was what he really wanted and that he had no saying at all when it really mattered to him which way to go or which turn to take. All he could do was go along with it and at best confabulate a story that gave him the upper hand. He said he perhaps wouldn’t mind being so utterly powerless when it came to the most important things in life were it not for the observation that some elephants were smarter than others. His complaint was that his elephant was so inconceivably stupid that he broke glass and stepped on others and his own toes where that was – in another sense – rather difficult. How could such an insensible thing evolve? How could I, he asked, end up being, for the most part, a low, stupid elephant deaf as a pole to the more reasonable and sometimes even clever advices from the rider?
As I didn’ want to appear backward or unfriendly I admitted right away that conscious control was still in its younger and more vulnerable years after evolution had recently thought it fit to give birth to such a strange and in many ways unfathomable thing. I told him that some thinkers had argued that thereof it followed that, to make use of his metaphor, the elephant had to be a much more refined instrument than the intellect. It was a common error to think that of all things the intellect should be the best judge. I said that I personally did not know what to make of all this but that he should perhaps consider taking sides with the elephant so as not to increase the level of frustration.
Although I had thought this to be a very tentative and well meaning reply he got very angry with me. How could I advise him to identify with something so stupid. Stupidity is not a matter of taste, he insisted, it is a hard fact. You see one human being gently steering his way through the world and the day almost without effort, and another bumping his head against every impossible (even imagined) corner of the earth. Now, if I feel that it is not within my power to do anything about it, then that is a problem that I have, not the elephant. I cannot be the elephant because the elephant has no problem.
I urged him not to run away with the metaphor his intellect had apparently grown rather fond of, as it seemed to lead him in the wrong direction.
The elephant never sleeps, it never tires and oftentimes goes on living when the rider is already dead.
Granit
April 10, 2009Wir warten oft auf ein sichtbares Zeichen, eine Begebenheit, die sich nicht wegerklären lässt; auf etwas, was einfach da ist und hingenommen werden muss. Darauf wollen wir stützen, was geschehen ist oder folgen kann. Wir könnten dann eine Rechnung aufmachen, einen Strich ziehen unter das Unerschütterliche. Was ich weder machen noch ändern kann, bin ich nicht, ich muss es sein.
Unterschiedliche Beruhigungszeiten
April 10, 2009Die Möglichkeit wird schwächer und träger und müde und schläft sicherlich irgendwann. Du kannst sie sogar schnarchen hören, wenn es eine laute Möglichkeit ist.
pfeifen
September 18, 2008Pfeifen hat mindestens drei große Vorteile; man braucht dazu keinerlei Gerätschaften, wie es beispielsweise beim Angeln der Fall ist, man behält die Hände frei und es ist sehr leicht zu erlernen, so leicht, dass manche Menschen es ganz und gar ohne fremde Leitung können. Darin ist es dem Spazierengehen ähnlich. Die allermeisten Menschen können pfeifen; manche ohne es zu wissen, einige sogar im Schlaf.
Recht behalten
September 18, 2008Wer lange genug schweigt, weil er glaubt, nichts zu sagen zu haben, wird irgendwann tatsächlich nichts zu sagen haben. Vielleicht hatte er sogar anfangs und die ganze Zeit über Recht.
Gewinner
September 7, 2008In irgendeinem Sinn möchte jeder ein Gewinner sein und zu den Gewinnern zählen. Zu den Verlierern mag niemand gern gehören oder sich auch nur mit ihnen abgeben. Und doch gibt es Gewinner und Verlierer. Die Verlierer sitzen zumeist zusammen (oder alleine) und die Gewinner sitzen zumeist zusammen (oder alleine). Aber das Zusammen- oder Alleinesitzen der Gewinner unterscheidet sich erheblich von dem Zusammen- oder Alleinesitzen der Verlierer. Der allein sitzende Gewinner entscheidet sich immer wieder aktiv dafür, alleine zu sein, weil man seine Nähe sucht. Das Alleinsein des Gewinners ist also zumeist angenehm. Der Verlierer muss nichts tun, um alleine zu sitzen – er wird nicht gesucht, sondern gemieden. Und der Verlierer, gerade der, sucht die Nähe der Gewinner. Das ist anstrengend und hat kaum Aussicht auf Erfolg. Die zusammen sitzenden Gewinner sitzen mit gutem Gewissen beieinander, weil es das ist, was sie wollen. Die zusammen sitzenden Verlierer haben ein schlechtes Gewissen untereinander, weil sie naturgemäß lieber mit Gewinnern zusammensitzen würden als mit Verlierern. Der Verlierer muss immer auf der Hut sein vor den Verlierern, er muss immer auf der Hut sein vor sich selbst. Der Gewinner fühlt sich naturgemäß wohl in seiner Haut. Gemeinsam ist Gewinnern wie Verlierern, dass es ihnen früher oder später vollkommen einleuchtend erscheint, dass und warum sie Gewinner sind und keine Verlierer, Verlierer sind und keine Gewinner. Beides erscheint letzten Endes gleichermaßen verdient, sonst wäre es nicht verständlich, was es ja unbestreitbar ist. Weil jeder gern ein Gewinner sein und zu den Gewinnern gehören möchte, will jedoch niemand gerne einsehen, dass und warum er ein Verlierer ist.
Bei dieser Betrachtungsweise leuchtet es ein, dass sich alle Menschen aus psychologischen wie außerpsychologischen Gründen zu den Gewinnern zählen. Sie unternehmen alles, um sich irgendwie den anderen und sich selbst gegenüber als Gewinner zu verkaufen. Die Gewinner und die Verlierer klopfen sich gemeinsam (oder alleine) auf ihre Schultern und an ihre Köpfe und gratulieren sich. So gesehen ist alles in bester Ordnung: Jeder möchte gern ein Gewinner sein und so ist es auch. Zwar nehmen die meisten komische Verdrehungen und mancherlei Schmerzen in Kauf, aber der Preis ist keinesfalls zu hoch, solange man ein Gewinner ist und am Leben bleibt; mehr als das kann man sich sowieso kaum wünschen.
Kieselstein
August 29, 2008Mir war, als ob mich der Schuh drückte wegen irgendwas. Und ich begann zu grübeln. Hätte ich mich nur ein bisschen von der Stelle bewegt, wäre die Sache vielleicht sofort erledigt gewesen. Aber ich dachte nicht daran. Ich grübelte über das Drücken im Schuh und der Druck wurde stärker, je länger ich dastand und nachdachte, um das Problem zu finden und zu lösen. Und im Kopf ich fand eins und viele, während ich dastand und nachdachte. Ich konnte sie nicht lösen. Ich stand und ich grübelte: Soll man lieber sich bewegen, bevor man nachdenkt? Soll man nicht innehalten? Vielleicht sollte man manchmal nicht vergessen zu prüfen, ob man auf einem Kieselstein steht, wenn man sich fragt, weshalb einen der Schuh drückt. Aber die Probleme des Kopfes sind dadurch natürlich nicht erledigt.
Hunde am Strand
August 5, 2008Die Hunde attackieren mich, obwohl ich friedlich, ohne Stock und Waffen, an den Strand gegangen bin zum Spazieren wie immer. Nicht einmal feste Schuhe habe ich. Trotzdem jagen mich die Hunde bellend im Kreis herum zur Belustigung der sonst in der Sonne vor sich hindämmernden Badestrandgesellschaft. Ein Einheimischer schließlich beendet die Vorstellung. Auch er lächelt amüsiert. Er ruft etwas, was ich nicht verstehe. Die Hunde bleiben stehen, ihr Bellen verebbt. Er verscheucht sie mit einer Armbewegung. Ich nicke dazu, blödsinnig, setze meinen Weg an den Strand fort. Meine Knie sind weich und mein Herz ist laut vom Angriff der Hunde. Ich sehe und höre kaum etwas. Die Frau, die am Strand wie immer Obst verkauft, sagt durch den Schleier und ihre schlechten Zähne hindurch: Bad dogs, bad dogs. Sie ist die einzige, die so etwas wie Mitleid zeigt. Wirklich es sind schlechte, herrenlose Hunde, sie greifen einen mutwillig an, ohne dass man etwas Böses getan hätte. Wenn sie kommen, darf man sich nicht bewegen. Man muss stillstehen. Alles andere ist ein Fehler, der sie nur reizt und ihre Macht in Frage stellt. Man braucht keinen Stock und keine Schuhe, man darf sich nur nicht aus der Ruhe bringen lassen von den Hunden. Man ist schließlich größer und sie können einen nicht jagen, wenn man stehen bleibt und ihren Biss nicht fürchtet.
Verfasst von lifejackets
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